Innovation durch Kooperation

Wie sollte der öffentliche Verkehr ausgebaut werden? In welchen Gebieten ist Aufforstung besonders effektiv, um CO₂ zu binden? Wie sollte das Stromnetz am besten reguliert werden? Künstliche Intelligenz (KI) wird bereits heute zunehmend in vielen Unternehmensbereichen eingesetzt. Denn erst durch den Einsatz von KI sind Unternehmen vermehrt in der Lage, anspruchsvolle Innovationen mit hohem Neuigkeitsgrad hervorzubringen.

Best Practice: die Sustainability Data Science Challenge 2021

Die Entwicklung innovativer Lösungen für reale Herausforderungen steht im Mittelpunkt der von der ÖBAG initiierten „Sustainability Data Science Challenge“. Der Wettbewerb, der gemeinsam mit Capgemini und Microsoft umgesetzt wird und an dem sich vier Portfoliounternehmen der ÖBAG beteiligen (A1 Telekom, BIG, Österreichische Post und VERBUND) hat zum Ziel, mittels Advanced Analytics den Carbon Footprint von Liegenschaften zu reduzieren. Konkret ist der Gebäudesektor für mehr als 30 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Diese Tatsache stellt auch Unternehmen in Österreich vor große Herausforderungen. Gleichzeitig gibt es im Bereich der erneuerbaren Energien noch ein Vielfaches an ungenutzten Potenzialen.

Beiden Herausforderungen widmet sich die Sustainable Data Science Challenge SDSC. 33 internationale Teams aus Studierenden und Start-ups entwickeln KI-Modelle, mit denen sich der ökologische Fußabdruck von Gebäuden ermitteln und minimieren lässt. Und, sie analysieren Optimierungspotentiale einzelner Liegenschaften in Bezug auf die Förderung von Biodiversität und die Nutzung von neuen Energiekonzepten.

Der Beitrag von KI zur wirtschaftlichen Performance wird anhand des Umsatz- und Beschäftigungswachstums der Unternehmen und des finanziellen Erfolgs (Umsatzrendite, Produktivität) gemessen. Die zentralen Ergebnisse sind: KI trägt zur Erhöhung der Umsatzrendite bei, durchschnittlich betrug die Umsatzrendite von KI einsetzenden Unternehmen in Deutschland im Jahr 2018 rund 6,4 Prozent. Davon können rund 1,3 Prozent dem Einsatz von KI zugeschrieben werden. Damit ging ein Fünftel der Gewinne auf das Konto von KI-Anwendungen. Weitere Informationen, siehe: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hg.): Auf Künstliche Intelligenz kommt es an Beitrag von KI zur Innovationsleistung und Performance der deutschen Wirtschaft. Dezember 2020.
KI Champions sind erfolgreicher

Welchen Impact können wir uns von Multi-Stakeholder-Initiativen wie der SDSC erwarten? Welche Potenziale haben KI und Big Data im Zusammenhang mit Klimaschutz? Künstliche Intelligenz unterstützt die Wissenschaft und Wirtschaft bereits heute an vielen Fronten. Die entwickelten Technologien sollen Unternehmen effizienter, wirtschaftlicher und zunehmend auch nachhaltiger machen. So berechnet das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, dass die Nutzung von KI deutlich positive Auswirkungen auf die Rendite von Unternehmen hat. Durch den Einsatz von KI hat die deutsche Wirtschaft im Jahr 2018 einen Umsatz mit Marktneuheiten von 11 Milliarden Euro erzielte. Rund zehn Prozent des deutschen Umsatzes mit Weltmarktneuheiten ist damit auf diese Technologie zurückzuführen. Neben der wirtschaftlichen Leistung erhöht KI auch die Innovationskraft.

Durch Künstliche Intelligenz sind Unternehmen eher in der Lage, anspruchsvolle Innovationen mit einem hohen Neuheitsgrad hervorzubringen.

Christian Rammer, ZEW-Ökonom

In den vergangenen Jahren haben KI-Technologien rasante Fortschritte erzielt und werden in den unterschiedlichsten Ausprägungen in Wirtschaft, Industrie, der Medizin und vielen anderen Bereichen eingesetzt. Im Fokus der Anwendungsgebiete stehen dabei häufig die Vorteile, die KI mit sich bringt: So kann der Einsatz von KI-Technologien im Gesundheitswesen etwa bei Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen Wahrnehmungseinschränkungen ausgleichen. Der Einsatz von KI ist aber auch kritisch zu betrachten. Vom „Rebound-Effekt“ (siehe dazu u. a. die MIT-Studie zum Energieverbrauch von Deep-Learning-Modellen) bis zu Fragen, inwieweit die auf künstliche Intelligenz gestützten globalen Netzwerke die Ungleichheit festigen. Ob es nun Online-Übersetzungstools sind, die bestimmten Berufen willkürlich ein Geschlecht zuordnen, oder Gesichtserkennungssoftware: Es gibt zahlreiche Beispiele für von künstlicher Intelligenz erzeugte Voreingenommenheit. Die renommierte US-Wissenschaftlerin Kate Crawford will mit ihrer Arbeit jedenfalls sicherstellen, dass algorithmische Systeme für alle zuverlässig funktionieren. Daher setzt sie in ihrer Forschung stark auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit sozialen, rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen künstlicher Intelligenz.

Kooperativer Ansatz für Innovationen

Unternehmen sehen sich zunehmend immer komplexer werdenden Herausforderungen konfrontiert, die oftmals alleine und ohne Unterstützung nicht mehr gelöst werden können. Stichwort Klimakrise und Nachhaltigkeit. Hier zeigt sich in besonderem Maße der erfolgreiche Einsatz von künstlicher Intelligenz. Eine jüngst publizierte Untersuchung zeigt, dass Unternehmen, die KI und Klimaschutz integriert einsetzen, sowohl bei den „Scope-1“- als auch bei den „Scope-2“-Emissionen erfolgreicher als ihre Peers sind (siehe dazu u.a. „Climate AI: How artificial intelligence can power your climate action strategy“). Und, Ideen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kontext von Umweltschutz und Klimaschutz gibt es genug. Das Weltwirtschaftsforum beispielsweise veröffentlichte über 80 Vorschläge, wie KI gegen den Klimawandel arbeiten könnte.

Die von der ÖBAG mit-initiierte „Sustainability Data Science Challenge“ generiert auf verschiedenen Ebenen einen Mehrwert. Sie vernetzt Leitbetriebe mit Universitäten, Start-ups und internationalen High Potentials. Sie generiert Wissen über einen Multi-Stakeholder-Dialog und dient der Entwicklung skalierbarer Lösungen mit hoher Wirkung. Und last but not least leistet sie einen Beitrag zur Reduktion der CO₂-Emissionen.

Selbstverständlich werden Technologien alleine nicht ausreichen, um die Klimakrise oder andere Herausforderungen zu lösen. Es braucht neben der notwendigen (digitalen wie technologischen) Infrastruktur immer auch Menschen mit spezifischen Kompetenzen; ausgebildete Personen, die mit neuen Technologien umgehen können. Mit der portfolioübergreifenden Initiative will die ÖBAG einen Beitrag zur Entwicklung von Werkzeugen leisten, die einen Mehrwert für die Unternehmen, den Wirtschaftsstandort und das Gemeinwohl darstellen.


Kerstin Hosa verantwortet als Projektmanagerin die Nachhaltigkeits-Agenda der ÖBAG und ist für eben diese im digitalen Raum als Kommunikatorin unterwegs. Als Impact- und Mediamanagerin war sie zuletzt beim Europäischen Forum Alpbach tätig.

Kerstin Hosa

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