Land am Strome: Potenzial e-mobiler Geschäftsmodelle

Das lang erwartete und rasante Marktwachstum im Bereich der Elektrofahrzeuge hat sich spätestens 2021 auch in Österreich deutlich gezeigt; obwohl das Corona-Jahr 2021 allgemein kein gutes für die Fahrzeugbranche in Europa war. Das PKW-Segment zeigt praktisch überall deutliche Einbußen, mit einer Ausnahme: die Elektrofahrzeuge. Während die Zulassungen von Benzin und Dieselfahrzeugen um bis zu 35 Prozent zurückgegangen sind, konnten E-Fahrzeuge in Österreich ein Plus von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Dabei hätte die Zahl erheblich höher sein können, wenn E-Fahrzeuge lieferbar gewesen wären.

Bei E-Auto-Neuzulassungen ist Österreich EU-weit auf Platz 3. Noch ist Elektromobilität aber noch nicht ganz bei den Fahrer*innen in Österreich angekommen, das Kaufinteresse stagniert. (Source: Auswertung SMATRICS auf Basis Daten der Statistik Austria)
Laden ist nicht gleich Laden

 
Neben dem Wachstum im Fahrzeugmarkt schreitet auch der Ausbau von Ladestationen rasant voran. So hat beispielsweise SMATRICS, gemeinsam mit EnBW, das öffentliche Ladenetz in Österreich auf mehr als 250 Schnellladepunkte ausgebaut, davon 60 High-Power Ladepunkte mit mehr als 150 kW Ladeleistung.
 
Während in den meisten Medien nur über die öffentliche Infrastruktur diskutiert wird, wird häufig vergessen, dass ein E-Fahrzeug auch zu einem substanziellen Teil im privaten (zu Hause / in der Arbeit) bzw. im semi-öffentlichen Raum (sog. „Destination Charging“) geladen wird. Diese Segmente stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sind unabhängig voneinander unverzichtbar.
 

Unterschiedliche Lade-Use Cases

Im urbanen Bereich entstehen bei öffentlichen High-Power Chargern (HPC) tankstellenähnliche Ladeinfrastrukturen sowie in unmittelbarer Nähe von hochrangigen Straßennetzen attraktive und niederschwellige Kundenangebote (zB. Plug & Charge). Aber nicht nur beim privaten Laden (charge@home) steigt die Nachfrage an Wallboxen für das eigene Zuhause enorm – auch beim charge@work (dem Laden am Unternehmensstandort)  ist die Nachfrage von Ladeinfrastruktur in Kombination mit einem Lastmanagementsystem – um teure Leistungsspitzen in unterschiedlichen Nutzergruppen zu verhindern – enorm groß.

Speicherlösungen und Netzintegration

 
Gewohntes Tankverhalten fordert eine schnelle Fahrzeugladung in öffentlichen Netzen, die konventionellen Verbrennern mehr oder weniger um nichts nachstehen sollten. Die dafür notwendigen Ladeleistungen können lokal verfügbare Energie ans Limit bringen. Die Lösung liegt im „Peak Shaving“, dem Glätten von Lastspitzen im Stromnetz durch den Einsatz intelligent gemanagter Pufferbatterien (oftmals aus E-Autobatterien recycelt). Ein System, das bereits an vier HPC-Standorten in Österreich getestet wird.
 
Unter dem Begriff „Smart Charging“ werden aktuell die ersten Produkte zum intelligenten Lastmanagement auf den Markt gebracht. Unterschiedliche Lösungen ermöglichen damit eine Priorisierung bzw. Ausbalancierung von oft mehreren hundert Ladepunkten auf einem Unternehmensparkplatz, um so mit der lokal vorhandenen Anschlussleistung auszukommen. Die Entwicklungen in diesem Bereich reichen von lokaler Steuerungstechnik bis zu eigenen IT-Systemen und bilden mit zunehmendem Ausbau der Ladeinfrastruktur einen der wichtigsten Zukunftsthemen im Bereich des Ladesäulenbetreibers.
 
Der steigende Strombedarf ruft parallel die Verteilnetzbetreiber auf den Plan. Hier werden in Pilotanwendungen direkte Last-Steuerungen durch den Netzbetreiber über IT-Systeme, ohne lokale Steuerungstechnik der Ladepunkte, in ausgewählten Netzen getestet.
 
 

Convenience mit Plug & Charge

Stecker rein. Laden. Stecker raus. Ein weiterer Trend der in den kommenden Jahren das Laden noch einfacher macht: Die Autorisierung der Ladung wird direkt vom Fahrzeug mit Zertifikaten über die Ladesäule und dahinterliegenden Systemen im Rahmen einer hochsicheren PKI (Public Key Infrastructure) gehandelt. Damit gehören Lade- oder Bezahl-Karten und Apps der Vergangenheit an.
 
Genau diese komplexen Themen und Herausforderungen bieten großes Potenzial für Spitzentechnologien und innovative Geschäftsmodelle im Portfolio der ÖBAG und am Wirtschaftsstandort Österreich. SMATRICS verfügt als internationaler E-Mobility-Provider über passende IT-Systeme für die Errichtung und den Betrieb von Ladeinfrastruktur. Das Green-Tech-Unternehmen hat jahrelang aufgebautes Knowhow aus dem Netzaufbau in eine Plattform integriert, die den Anwender durch alle notwendigen Maßnahmen digital zur Errichtung einer HPC Ladestation führt und gleichzeitig den Baufortschritt dokumentiert.
 
Neben digitalen Dienstleistungen und Plattformen bietet SMATRICS darauf aufbauende Serviceleistungen, wie zum Beispiel den Betrieb der Infrastruktur und/oder das Kundenmanagement samt 24/7 Hotline an. Ganz nach dem Motto: Der Kunde sucht sich aus, welche Teile der e-mobilen Wertschöpfungskette er selbst übernehmen will. SMATRICS übernimmt den Rest. SMATRICS ist ein Tochterunternehmen des ÖBAG Portfoliounternehmens VERBUND und der deutschen EnBW (Energie Baden-Württemberg). Als Green-Tech-Unternehmen beschäftigt das Unternehmen rund 100 MitarbeiterInnen und sucht für 2022 40 neue KollegInnen insbesondere im IT- und Elektrotechnikbereich.
 
 


Hauke Hinrichs ist im April 2017 bei SMATRICS als technischer Leiter eingestiegen, wurde im Herbst 2019 zum Co-Geschäftsführer berufen und ist seit 1. Oktober 2021 Allein-Geschäftsführer des E-Mobilitäts-Dienstleisters. Hinrich studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt elektrische Energietechnik an der RWTH Aachen und forschte am Imperial College London zum Thema Energiepolitik. Vor seinem Einstieg bei SMATRICS war der leidenschaftliche E-Mobilitäts-Enthusiast unter anderem vier Jahre lang technischer Leiter beim Stadtwerke Start-Up smartlab in Aachen.

Hauke Hinrichs

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