Österreichische Unternehmen schaffen weltweit Wohlstand

Globale Entwicklung spielt in Österreich in der Unternehmens-Welt keine große Rolle. Auch tut sich die heimische Politik schwer, Entwicklungszusammenarbeit mit Wirtschaft zu verbinden. Das ist mit ein Grund dafür, dass Entwicklungspolitik in Österreich generell wenig Relevanz hat. Dabei ist wirtschaftliche Entwicklung der große Treiber für die Entwicklung eines Landes insgesamt. Menschenrechte, Gesundheit, Bildung, Kultur, gesellschaftliche Partizipation – alle diese Ziele setzen wirtschaftliche Entwicklung ganz wesentlich voraus.
 
 

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Globale Entwicklung passiert. Wie Hans Rosling in seinem Buch „Factfulness“ darstellt, tendieren Menschen dazu, die Welt negativer zu sehen als sie ist. Wir denken an den russischen Krieg gegen die Ukraine, an die Energiekrise und an den Klimawandel – und übersehen dabei, dass die Welt insgesamt besser wird. Trotz Klimawandel nimmt beispielsweise die Zahl der Menschen, die Naturkatastrophen zum Opfer fallen, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ab, und zwar deutlich. Vor hundert Jahren starben weltweit jedes Jahr rund 500.000 Menschen durch Hurrikans und Überschwemmungen, im Jahr 2020 waren es gerade einmal 14.000 – bei einer Vervierfachung der Weltbevölkerung von rund 2 Milliarden auf 8 Milliarden in diesem Zeitraum. Insgesamt hat sich die globale Armut in den vergangenen beiden Jahrzehnten halbiert.

Viele Schwellen- und Entwicklungsländer gelten als Zukunftsmärkte. Schlechte Infrastruktur und fehlende Expertise mindern jedoch den Geschäftserfolg und die Chancen, lokale Wertschöpfung zu generieren. Das will ICPE-Geschäftsführer Bernhard Weber gemeinsam mit Unternehmen aus Österreich ändern, indem sowohl Ausbildung als auch die vor und nachgelagerten Wertschöpfungsketten in den jungen Märkten gestärkt werden, wie das mit der Ausbildungsinitiative SWEAR (Skills and Work are East Africa’s Resource) eindrucksvoll gelebt wird.
Nachhaltige globale Entwicklung made in Austria

Die wirtschaftliche Entwicklung vieler Länder befindet sich noch im Anfangsstadium. Wirtschaftliche Entwicklung lässt sich zudem nicht von außen in ein Land tragen, aber sie kann durch Entwicklungszusammenarbeit gefördert und beschleunigt werden. Österreich sollte es als offene, enorm exportorientierte Volkswirtschaft ein großes Anliegen sein, mit interessierten Ländern hier die Kooperation zu suchen und die Lösungskompetenzen, die in unserer Verwaltung, in den Forschungsinstitutionen und vor allem in der Wirtschaft stecken, einzubringen. Die vielen erfolgreichen Unternehmen, darunter zahlreiche Weltmarktführer, sind der Indikator für das Know-how unseres Landes und somit auch dafür, was Österreich zu einer globalen, nachhaltigen Entwicklung beitragen kann.

Success Stories aus der hiesigen Wirtschaft

Schon aus den wenigen Ansätzen, die österreichische Entwicklungszusammenarbeit auf die Kraft der Wirtschaft zu setzen, nämlich bei den sogenannten Wirtschaftspartnerschaften, werden diese Chancen greifbar. Der Tiroler Hörimplantat-Hersteller MED-EL stärkt etwa mit einem Investment in Millionenhöhe und mit Kofinanzierung der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit den Hörgesundheitssektor in 14 Ländern Afrikas und Asiens. Die Industrieunternehmen RHI Magnesita und Mondi führten an ihren Standorten Mexiko die duale Berufsbildung für zwei Lehrberufe ein – und wiederholen diese Erfahrung heute in Indien bzw. in der Elfenbeinküste und Marokko. Das steirische Umwelttechnologieunternehmen Komptech setzt in Ghana in enger Zusammenarbeit mit seinem dortigen Geschäftspartner eine Ausbildung im Bereich Abfallwirtschaft auf. Die Österreichische Post wiederum bereitet in Serbien ein Projekt vor, um mit lokalen Berufsbildungspartnern die Logistiker-Ausbildung zu verbessern. Und ein weiteres Beteiligungsunternehmen der ÖBAG ist wohl überhaupt der Industriebetrieb mit der längsten einschlägigen Erfahrung: Die OMV hat schon vor mehr als 15 Jahren impactstarke Projekte in Pakistan und Libyen implementiert.

Essenziell für globale nachhaltige Entwicklung

Die Liste der Beispiele ließe sich fortsetzen. Alle genannten Projekte haben gemeinsam, dass die Unternehmen mit Unterstützung der Entwicklungszusammenarbeit einen sehr greifbaren Entwicklungsnutzen schaffen. Dieser wirkt sich positiv auf ihr Business aus, weil er der Marktentwicklung, der Qualifizierung von Fachkräften oder der Verbesserung von Lieferketten dient. Die entscheidenden Nutznießer sind aber die Menschen in den Ländern, wo diese Projekte umgesetzt werden, durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, Ausbildungsmöglichkeiten, Geschäftschancen oder Strukturen. Und zuletzt zählt vor allem die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die diese Projekte zur Folge haben, weil sie das Investment der Unternehmen im jeweiligen Land begünstigen.

Wenn mehr und mehr Unternehmen die Bereitschaft zeigen, das Umfeld, in dem sie in Emerging Markets tätig sind, mitzugestalten und die heimische Entwicklungspolitik stärker daraufsetzt, die Wirkkraft der Unternehmen für die Schaffung von Wohlstand zu hebeln und Wachstum Breitenwirkung zu geben, dann wird die Entwicklungszusammenarbeit ihr Nischendasein verlieren und ein Politikfeld werden, das in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. In diesem Setting wird Entwicklungszusammenarbeit globale Herausforderungen in konkrete Chancen transformieren können – und zwar Chancen in dreierlei Hinsicht: für die Menschen in den Entwicklungsländern, für unsere Unternehmen im Hinblick auf neue Märkte und auch für Österreichs Rolle in der Welt.


Bernhard Weber ist Mitgründer und Geschäftsführer von ICEP und Herausgeber des corporAID Magazins. Er promovierte in Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und ist Absolvent des Advanced Management Programm von IESE.

Bernhard Weber

Bernhard Weber ist Mitgründer und Geschäftsführer von ICEP und Herausgeber des corporAID Magazins. Er promovierte in Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und ist Absolvent des Advanced Management Programm von IESE.

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