Verstaatlichte Industrie erstmals im historischen Aufriss verfügbar

Wien, 24. September 2026. Im Rahmen eines Forschungsprojektes, das die Österreichische
BeteiligungsAG (ÖBAG) und das Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Historisch-
Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien seit drei Jahren gemeinsam betreiben, ist
erstmals ein kompletter Überblick über alle Unternehmen, an denen die Republik beteiligt gewesen ist,
online verfügbar. Insgesamt sind im Beteiligungsspiegel mehr als 1.000 Unternehmen abgebildet.

Das Team rund um die Historiker Clemens Jobst, Peter Eigner und Michael Hödl haben im Rahmen
der wirtschaftshistorischen Aufarbeitung der Geschichte der verstaatlichten Industrie nicht nur eine
systematische Erschließung zentraler Bestände in verschiedenen Archiven vorgenommen, sondern auch
begonnen, erste Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang wurden die
Daten aller Beteiligungen der Republik online gestellt und können im Zeitstrahl aufgerufen werden
https://verstaatlichte.univie.ac.at/. „Wir haben damit einen ersten und wichtigen Schritt getan, um
weiter intensiv über die Geschichte der Verstaatlichten zu forschen, die eine Schlüsselrolle in der
Wirtschaftsgeschichte der Zweiten Republik spielte“, so Michael Hödl von der Universität Wien.

„Im nächsten Jahr jähren sich die Verabschiedung des zweiten Verstaatlichtengesetzes zum 80. Mal
und die Gründung der Österreichischen Industrieverwaltungsgesellschaft zum 60 Mal. Wir als ÖBAG
sehen unsere Verantwortung nicht nur in der Wahrung der heimischen Interessen in den Beteiligungen,
sondern auch in einer wissenschaftlich fundierten Aufarbeitung der Geschichte“, so Edith Hlawati,
CEO der ÖBAG über die Kooperation mit der Universität Wien.

Im Rahmen der von 2024 bis 2028 laufenden Kooperation geht es generell um eine umfassende
quellenbasierte Aufarbeitung der Geschichte der verstaatlichten Industrie, von der Genese des
Verstaatlichungsgesetzes 1946 über die Entwicklung und Funktion der staatlichen Steuerungsebenen
bis hin zur personellen Entwicklung und der Rolle des Proporz-Systems. Das Historikerteam kann dabei
auf neu zugängliche Archivbestände der zentralen Entscheidungsorgane im österreichischen
Staatsarchiv zugreifen, um bestehende Thesen zu überprüfen und neue Forschungsfragen zu
entwickeln. Weiters sollen die österreichischen Entwicklungen in den europäischen Kontext von
Verstaatlichung, Privatisierung und moderner staatlicher Industriepolitik historisch eingeordnet werden.