SDGs als Kompass für nachhaltige Unternehmen

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist ein zentrales Leitbild der globalen Entwicklung. Die bekannteste Definition des viel diskutierten Begriffs stammt aus dem Brundtland-Bericht von 1987 und besagt, dass jene Entwicklung nachhaltig ist, die „[…] die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Neben dem Umweltaspekt finden vermehrt ökonomische und soziale Aspekte Beachtung. Den größten internationalen Zusammenschluss für eine nachhaltigere Entwicklung stellen die Sustainable Development Goals (SDGs) dar. 2015 verpflichteten sich VertreterInnen aus 193 Staaten, darunter Österreich, im Rahmen eines UN-Weltgipfels zur Umsetzung von 17 global gültigen Zielen innerhalb der kommenden 15 Jahre. Neben den SDGs besteht eine Reihe an weiteren bi- und multilateralen Vereinbarungen sowie Richtlinien, die eine nachhaltigere Entwicklung gewährleisten sollen. Dabei herrscht in der Literatur weitgehend Einigkeit, dass der Beitrag von Unternehmen hierbei unabdinglich ist.

Bei der Implementierung von Nachhaltigkeitszielen und der Herbeiführung einer sozial-ökologischen Transformation nehmen Unternehmen eine zentrale Rolle ein.

Kerstin Plank und Lorenz Wimmer, Institut für Höhere Studien

Manche Nachhaltigkeitsaspekte sind jedoch für verschiedene Branchen bzw. Unternehmen von unterschiedlich hoher Bedeutung. Branchenspezifische wissenschaftliche Literatur zum Thema Nachhaltigkeit in Kombination mit Nachhaltigkeitsindikatoren ist zum jetzigen Zeitpunkt kaum vorhanden. An dieser Lücke setzt die IHS-Studie im Auftrag der ÖBAG an und untersucht die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Branchen von sechs Unternehmen, an denen die ÖBAG Anteile hält:

  • OMV AG (Mineralöl),
  • A1 Telekom Austria AG (Telekommunikation),
  • Österreichische Post AG (Post- und Kurierdienstleistungen),
  • Verbund AG (Energieversorgung),
  • BIG Konzern (Grundstücks- und Wohnungswesen) und
  • Casinos Austria AG (Spiel-, Wett- und Lotteriewesen).

Analysiert wurden die zum Zeitpunkt der Durchführung aktuellsten Nachhaltigkeitsberichte dieser sechs Unternehmen und jene der wichtigsten internationalen MitbewerberInnen der entsprechenden Branche.

Zur besseren Handhabung und Fokussierung des Nachhaltigkeitsbegriffs fand der Begriff Resilienz Anwendung, um die Widerstandsfähigkeit der ÖBAG-Beteiligungen gegenüber Herausforderungen von außen zu beschreiben. Dazu wurden neben den Nachhaltigkeitsberichten auch Studien zu gesellschaftlichen Trends und Megatrends auf EU-Ebene und Literatur zu spezifischen Entwicklungen in den Branchen herangezogen. So rücken beispielsweise der Klimawandel und die Ressourcenknappheit oder Themen wie Dekarbonisierung und der Umstieg auf erneuerbare Energien ins Zentrum der Aufmerksamkeit, was unter anderem für die Mineralölbranche und die Energieversorgung von großer Relevanz ist. Eine nachhaltige Unternehmensstrategie bedeutet im Kontext der Studie die Entwicklung einer adaptiven Resilienz gegenüber den Herausforderungen der Zukunft, vor allem in einem langfristigen Zeitrahmen von mindestens 15 Jahren.

Die Nachhaltigkeitsberichte der ÖBAG-Portfoliounternehmen schneiden innerhalb ihrer jeweiligen Branchen gut ab. Die SDGs werden in den meisten Berichten als Kompass herangezogen, wobei es viele Unternehmen bei einer Aufzählung der für sie relevanten UN-Ziele belassen, ohne konkrete dazugehörige Aktivitäten und Unterziele zu nennen. Die häufigsten SDGs in den Branchen sind SDG 13 (Handeln für den Klimaschutz) sowie wie SDG 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum).

Einige zentrale Erkenntnisse lauten wie folgt:

  • Die Nachhaltigkeitsberichte aller betrachteten ÖBAG-Unternehmen schneiden insgesamt innerhalb der jeweiligen Vergleichsgruppe gut ab. Zwischen den Branchen zeigen sich jedoch merkliche Qualitätsunterschiede. Die Branchen Mineralöl, Telekommunikation, Energie sowie Post- und Kurierdienstleistungen weisen ein deutlich höheres Niveau auf als das Grundstücks- und Wohnungswesen und das Spiel-, Wett- und Lotteriewesen. Dies zeigt sich unter anderem daran, ob auf aussagekräftigere SDG-Unterziele eingegangen wird und ob konkrete Maßnahmen zur Implementierung beschrieben werden. Besonders im Spiel-, Wett- und Lotteriewesen steckt das Thema Nachhaltigkeit im branchenübergreifenden Vergleich noch in den Kinderschuhen.
  • Der wichtigste Megatrend ist „Klimawandel und Ressourcenknappheit“, welcher in beinahe allen Branchen in unterschiedlicher Intensität behandelt wird und die Relevanz von SDG 13 „Klimaschutz“ hervorhebt. An zweiter Stelle steht die „industrielle und technologische Transformation“, die sich je nach Branche durch unterschiedliche Entwicklungstendenzen äußert.
  • Explizit wird verschiedenen Trends und Megatrends in der Nachhaltigkeitsberichterstattung jedoch selten eine zentrale Rolle eingeräumt. lm Großteil der Berichte lassen sie sich lediglich indirekt und mithilfe von branchenspezifischer Literatur zuordnen. Selbst wenn von Megatrends gesprochen wird, sind die Zeithorizonte trotzdem meist sehr kurz und häufig in Bezug auf kurzfristigere Branchentrends, wie die voraussichtlichen Marktentwicklungen in den kommenden Jahren.
  • Hinsichtlich der Nachhaltigkeit in den Lieferketten lässt sich über alle analysierten Branchen hinweg die Aussage treffen, dass diese zwar im Allgemeinen thematisiert wird, jedoch – mit wenigen Ausnahmen – in zu geringem Detailgrad. Auch erfolgt in der Regel keine Überprüfung derselben seitens der Unternehmen.
  • Die SDGs werden in den meisten Berichten genannt, wobei es viele Unternehmen bei einer Aufzählung der für sie relevanten UN-Ziele belassen, ohne konkrete dazugehörige Aktivitäten und Unterziele zu nennen. Im Spiel-, Wett- und Lotteriewesen ist die Verwendung von SDGs noch kaum verbreitet, was den direkten Vergleich nicht möglich macht.

 
 
Download: „Nachhaltigkeitsberichterstattung der ÖBAG-Beteiligungen Modul B“, Alexander Schnabl, Sarah Gust, Liliana Mateeva, Kerstin Plank, Lorenz Wimmer, Institut für Höhere Studien – Institute for Advanced Studies (IHS).


Kerstin Plank studierte Sozioökonomie an der WU Wien und arbeitet derzeit als Researcher am Institut für Höhere Studien in der Forschungsgruppe ‚Regionalwissenschaft und Umweltforschung‘.

Lorenz Wimmer studierte Volkswirtschaft an der WU Wien und arbeitet ebenfalls als Researcher in der Forschungsgruppe ‚Regionalwissenschaft und Umweltforschung‘ am IHS.

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