ESG: Warum sich nachhaltige Performance auszahlt

Die Bedeutung von ESG im unternehmerischen Alltag hat in den letzten Jahren rasant an Tempo aufgenommen. Nachhaltigkeit ist mittlerweile fester Kernbestandteil von erfolgreichen Unternehmensstrategien und wird von breiten Stakeholder-Gruppen wie Regulatoren, MitarbeiterInnen, Investoren und der Zivilgesellschaft eingefordert. In den letzten Jahren wurden vermehrt Nachhaltigkeitskriterien in die erfolgsabhängigen Management-Ziele von Vorständen aufgenommen. Der Österreichische Corporate Governance Kodex unterstützt die Inklusion von nachhaltigen Leistungskriterien für das Management, welche ebenso nicht-finanzielle Kennzahlen umfassen. Durch die Aufnahme von konkreten und messbaren ESG-Zielen in den short und long-term Incentive-Programmen, kann der Aufsichtsrat in seiner Funktion als strategisches Kontrollgremium das Management zum nachhaltigen Wirtschaften incentivieren.

Robust corporate governance and a central role for boards are critical for getting on the front foot with ESG and achieving the cultural and mindset change needed to drive a sustainability transformation.

Julie Linn Teigland, EY EMEIA Area Managing Partner

Internationaler Vergleich zu nachhaltigen Vergütungsstrukturen

Eine globale Studie analysierte die Verwendung von nachhaltigen Leistungskriterien, ESG-Metriken, in der Vergütung von Executives von über 10.000 Unternehmen. Dabei ist ein klarer Trend erkennbar: Seit 2018 hat sich die Häufigkeit von ESG-Zielen in der Vergütung mehr als verdreifacht. Noch imposanter ist der Vergleich über mehrere Jahre: Vor einem Jahrzehnt lag der Anteil von untersuchten Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen in Vergütungssystemen bei 1 Prozent, im letzten Jahr stieg er auf den Rekordwert von 38 Prozent. Besonders bei Unternehmen in Industrien mit großer gesellschaftlicher Verantwortung (z. B. im Energiesektor) ist der Anteil an nachhaltigen Vergütungszielen deutlich höher.

Quelle: Cohen, Kadach, Ormazabal & Reichenstein (2022): Executive Compensation Tied to ESG Performance: International Evidence.

Der Blick nach Österreich zeigt, dass im ATX Prime bereits sechs von zehn Unternehmen ESG-Ziele in die Vorstandsvergütung aufgenommen haben. Nachhaltige Vergütungsanreize sind mittlerweile in allen großen ÖBAG Beteiligungen vorhanden. Während in Österreich der Fokus insbesondere auf der kurzfristigen Komponente liegt, wird im Gegensatz dazu in Deutschland auch Nachhaltigkeit in der langfristigen Vergütungskomponente großgeschrieben.

Covid-19 als Turbo für nachhaltige Entwicklungen in den letzten zwei Jahren

Eine spannende Entwicklung zeigte eine Umfrage von Ernst & Young mit Fokus Europa auf. Die Pandemie hat einen regelrechten Turbo für nachhaltiges Wirtschaften gezündet. 84 Prozent aller befragten Senior Executives spüren, dass die Stakeholder-Erwartungen für Wachstum im Einklang mit gesellschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeit an Unternehmen gestiegen sind.

Diese Entwicklung ist auch dem Druck der Investoren zu verdanken. Heute wünschen sich laut einer PwC-Umfrage 68 Prozent der Investoren eine ESG-Erfolgsmessung und -Ziele bei der Vergütung von Führungskräften. Die Top 3 ESG-Themen für Investoren sind demnach die Reduktion von Scope 1 und 2 Emissionen, die Verbesserung der Gesundheit der MitarbeiterInnen sowie deren Arbeitssicherheit und Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion.

Als Staatsholding ist nachhaltiges Wirtschaften Teil der DNA

Investoren sind bemüht, die nachhaltige Entwicklung von Unternehmen voranzutreiben. Besonders als öffentlicher Investor ist ESG für die ÖBAG essenziell. So wie es der gesetzliche Handlungsrahmen der ÖBAG vorsieht, ist die Staatsholding im Interesse aller österreichischen SteuerzahlerInnen dazu verpflichtet, die nachhaltige und langfristige Wertschaffung im Beteiligungsmanagement zu verfolgen. Über die Arbeit in den Aufsichtsräten und Vergütungsausschüssen können die nominierten VertreterInnen der Staatsholding positiven Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen nehmen.

Im Jahr 2021 wurden ESG-Ziele als Kriterien in den Vorstandsvergütungen bei den börsennotierten Portfoliounternehmen noch stärker etabliert. Bei allen börsennotierten ÖBAG Portfoliounternehmen und größeren nicht-börsennotierten Gesellschaften sind nun ESG-Kennzahlen wesentliche Kriterien in der variablen Vergütung der Vorstände.

Nachvollziehbare und messbare Zielgrößen sind hierbei von besonderer Bedeutung, um so die Performance der Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit quantifizierbar zu machen. Die erbrachten Leistungen und Herausforderungen werden auch vermehrt in eigens eingerichteten Ausschüssen im Rahmen der Aufsichtsratsarbeit diskutiert. Der globale Vergleich zeigt, dass die ÖBAG und ihre Unternehmen im Vergleich zu internationalen Konzernen bei der ESG-Vorstandsvergütung bereits sehr gut positioniert sind. Wichtige Themen für eine klimaneutrale, zirkuläre und diverse Gesellschaft der Zukunft werden in den Vergütungszielen adressiert.

Für die Zukunft gilt es weiterhin, die nachhaltigen Unternehmensziele zu fördern, welche über das Engagement der einzelnen Beteiligungsunternehmen einen gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert für Österreich leisten können.


Stefan Setzger ist in der ÖBAG als Investment Manager tätig. Zudem beschäftigt er sich mit der Analyse der ESG-Performance des ÖBAG Portfolios. Zuvor arbeitete er im Management Consulting mit Fokus auf Strategieberatung. Auslandsaufenthalte in Irland, Chile und China prägten sein Verständnis für globale Wirtschaftszusammenhänge.

Stefan Setzger

Stefan Setzger ist in der ÖBAG als Investment Manager tätig. Zudem beschäftigt er sich mit der Analyse der ESG-Performance des ÖBAG Portfolios. Zuvor arbeitete er im Management Consulting mit Fokus auf Strategieberatung. Auslandsaufenthalte in Irland, Chile und China prägten sein Verständnis für globale Wirtschaftszusammenhänge.

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