KI, 5G & Plattformmodelle: Wie sich Telcos neu aufstellen

Telekommunikation als Rückgrat der digitalen Gesellschaft befindet sich in einem transformativen Wandel

Der Mobile World Congress (MWC) 2025 in Barcelona hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Telekommunikationsbranche für die Zukunft aufstellt. Mit über 109.000 Teilnehmer:innen, 2.900 Ausstellern und Besucher:innen aus mehr als 200 Ländern war der MWC 2025 der größte und internationalste seiner Geschichte. Bemerkenswert: 56 Prozent der Besucher:innen kamen aus dem branchennahen Umfeld – ein klares Signal für die zunehmende Relevanz von Innovationen in der Telekommunikationsbranche über Branchengrenzen hinweg.

Einer der größten Treiber dieses Wandels ist künstliche Intelligenz (KI). Sie verändert nicht nur den Netzbetrieb, sondern auch Produkte und Dienstleistungen von Telekommunikationsunternehmen (Telcos). KI dominierte damit die Agenda des Mobile World Congress – alle großen Telcos und Technologieanbieter präsentierten KI-Anwendungen und kündigten teils beträchtliche Investitionen in diesem Bereich an.

Die Telekommunikationsbranche steht an einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz wird zur zentralen Wertschöpfungstechnologie, während Themen wie Plattformen, 5G+/6G und eine mögliche pan-europäische Konsolidierung das Marktumfeld neu definieren.
— David Bernhard

Künstliche Intelligenz: Im Zentrum der Wertschöpfung

Der MWC 2025 war damit auch eine große Bühne für die Präsentation von KI-Anwendungen: Hersteller von Telekommunikationsausrüstung präsentierten KI-basierte Anwendungsfälle im Bereich von Energieeffizienz und es wurden sogar KI-basierte Smartphones vorgestellt. Das verdeutlicht die Entwicklung, dass die Unternehmen in der Telekommunikationsbranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette KI gezielt einsetzen (werden), um verschiedene Bereiche zu transformieren, wie zum Beispiel:

  • Kundenservice: Durch den Einsatz von KI-gestützten Chatbots können Telcos den Kundenservice effizienter gestalten und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit steigern.
  • Vertrieb und Marketing: KI ermöglicht die Erstellung hyperpersonalisierter Marketingkampagnen. Das ÖBAG Portfolio Unternehmen A1 Telekom Austria setzt hier mit einer Lösung ein, die die Verkaufsumsätze durch Kampagnen um 40% gesteigert hat.
  • Netzwerkbetrieb: KI wird unter anderem eingesetzt, um Netzwerke effizienter zu betreiben, Ausfälle vorherzusagen und Wartungsarbeiten proaktiv durchzuführen.

Im Vergleich zu anderen Branchen zählt die Telekommunikationsbranche zu den fortgeschritteneren Anwendern von Künstlicher Intelligenz. Dennoch steht sie vor erheblichen Herausforderungen:

Disruption des Geschäftsmodells, Fragen der Datensouveränität, die Wahl geeigneter Rechenzentrumsstandorte, die Abhängigkeit von externen KI-Modellen sowie unklare regulatorische Rahmenbedingungen. Die Branche sucht dabei nicht nur nach technologischen Lösungen, sondern auch nach zukunftsfähigen Governance- und Partnerschaftsmodellen, um sich langfristig strategisch richtig zu positionieren.

Abseits von Künstlicher Intelligenz prägen die Telekommunikationsbranche weitere Trends in den nächsten 10 Jahren:

  1. „Connectivity beyond the Core“: vom reinen Netzanbieter zur Plattform

Telcos entwickeln sich zu Plattformanbietern. Cloud-Dienste, IoT, Cybersicherheit und vertikale Lösungen (z. B. für Industrie oder Gesundheitswesen) ergänzen klassische Konnektivität. Diese Bereiche wachsen meist schneller und erlauben in Zukunft höhere Margen.

  1. 5G+ und 6G: Technologische Evolution

Während 5G bereits im Rollout ist, beginnt mit 5G Advanced (5G+) und den Vorbereitungen zu 6G eine neue Innovationsphase. Diese Technologien ermöglichen Echtzeitanwendungen wie autonome Mobilität und Industrie 5.0.

  1. Europäische Konsolidierung: Größere Konzerne für mehr Wettbewerbsfähigkeit

Die Fragmentierung des europäischen Telco-Markts wird zunehmend als limitierender Faktor für europäische Telcos gesehen. Größere Konzerne könnten effizienter investieren, Infrastruktur teilen und Innovation schneller in Märkten skalieren. CEOs europäischer Telcos fordern daher unter anderem von der EU eine Lockerung der Merger Control Policy und eine Vereinheitlichung der Frequenzvergaben.

  1. Energieeffizienz: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Mit dem stark wachsenden Datenverbrauch steigt auch der Energiebedarf der Netze. Telcos nutzen unter anderem KI und investieren in eigene erneuerbare Energiequellen, um die Energieeffizienz zu steigern. Nachhaltigkeit wird somit zum strategischen Wettbewerbsvorteil für Telcos. Mit der A1 Telekom Austria hat die ÖBAG eines der nachhaltigsten und dafür vielfach ausgezeichneten Telco Unternehmen im Portfolio.

Fazit

Die Telekommunikationsbranche steht an einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz wird zur zentralen Wertschöpfungstechnologie, während Themen wie Plattformen, 5G+/6G und eine mögliche pan-europäische Konsolidierung das Marktumfeld neu definieren. Die Entwicklungen auf dem MWC 2025 unterstreichen, dass Telcos nicht nur technologisch, sondern auch strukturell gefordert sind, sich neu aufzustellen. Für den Wirtschaftsstandort ergeben sich daraus klare Handlungsfelder: Investitionen in digitale Souveränität, verantwortungsvolle KI-Nutzung und sektorübergreifende Plattformstrategien sind Voraussetzungen für einen zukunftsfähigen und attraktiven Wirtschaftsstandort.

Weiterführende Informationen:

– BCG-TeBIT 2024 Executive Report

– RTR-Studie zu  Einsatz von KI im österreichischen Telekommunikationssektor

David Bernhard

David Bernhard ist Investment Manager bei der ÖBAG und ist verantwortlich für das Beteiligungsmanagement im Bereich Telekommunikation, insbesondere für die Telekom Austria. Zuvor war er als Unternehmensberater bei der internationalen Strategieberatung McKinsey & Company tätig.

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