Studie: Spielerschutz und Prävention

Effektive Umsetzung von Spielerschutz als zentrales Element zur Bekämpfung von Spielsucht

Die Regulierung von Glücksspiel hat zentrale Bedeutung, um verantwortungsvolles Spielen zu ermöglichen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken soweit wie möglich zu minimieren. Um den technologischen Entwicklungen und sonstigen Herausforderungen nachzukommen, bedarf es einer regelmäßigen Anpassung der Regulierung, um sicherzustellen, dass umfassender Spielerschutz gewährleistet ist und illegales Glücksspiel zurückgedrängt wird. Dies hat sich auch die Regierung mit dem im Februar vorgestellten Glücksspielpaket vorgenommen, das neben den bereits erwähnten Zielen auch eine transparente und unabhängige Behördenorganisation plant.

Als Miteigentümerin der Casinos Österreich AG (CASAG) ist der ÖBAG Governance und Spielerschutz ein besonderes Anliegen. Die ÖBAG hat daher das IHS mit der Erstellung einer Studie beauftragt, die die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Spielsucht untersucht und daraus Maßnahmen zur Bekämpfung von Spielsucht bzw. illegalem Glücksspiel ableitet.

Im Zentrum der IHS-Studie steht eine Umfrage unter den insgesamt 20 Beratungs- und Hilfseinrichtungen in Österreich, die im Jahr 2019 rund 3.500 Personen betreuten, die von Spielsucht betroffen waren. Neben jenen Personen, die sich in Betreuung befinden, wird die Dunkelziffer an Problemspielern als signifikant höher geschätzt.

Legales Glücksspiel, das einen großen Fokus auf Responsible Gaming legt, ist aufgrund effektiver Spielerschutzmechanismen und bereits bestehender Regulierung kaum in problematischem Ausmaß nutzbar. Spielsucht findet daher überwiegend im illegalen Bereich statt, wo die Verlustlimits höher sind und keine rechtlichen Vorgaben eingehalten werden müssen.

Hermann Kuschej, Institut für Höhere Studien

Die zentralen Ergebnisse aus der Studie

Die betroffenen Personen leiden teilweise an dramatischen Folgen ihrer Spielsuchterkrankung. Aus der Studie geht hervor, dass

  • mehr als 80 Prozent der betreuten Personen finanziell verschuldet sind,
  • rund 70 Prozent Beziehungsprobleme haben,
  • und 45 Prozent an psychischen bzw. psychosomatischen Erkrankungen leiden.

Dabei ist zu beachten, dass das Risikopotential der einzelnen Glücksspielprodukte stark voneinander abweicht. Automatenspiel wird laut Studie als besonders problematisch identifiziert (60 Prozent), gefolgt von Online Gaming und Sportwetten. Lotterieprodukte führten dagegen kaum zu Spielsucht. Gefragt nach geeigneten Maßnahmen werden an allererster Stelle effektive Zugangskontrollen (Identifikation und Sperre von Problemspielern) genannt – eine Maßnahme, die im legalen Angebot in Österreich bereits umgesetzt ist. Als wenig zielführend wurde jedoch die Erhöhung von Steuern wahrgenommen – diese führt hauptsächlich zu einer Verteuerung des legalen Spielangebots und hätte damit die Kanalisierung zum illegalen Glückspiel zur Folge.

Spielsucht ist nicht nur für die betroffenen Spieler folgenschwer, sondern verursacht auch für den Staat und die Gesellschaft hohe Kosten. Das IHS beziffert die direkten Kosten von Spielsucht (darunter fallen Beratung und Behandlung, Beschaffungskriminalität, Scheidungen und Arbeitsausfälle) mit bis zu 13 Millionen Euro pro Jahr. Unter Einbeziehung der Dunkelziffer an „Problemspielern“ (diese werden auf 46.000 bis 81.000 geschätzt) erhöhen sich die tatsächlichen Kosten auf 210 Millionen bis 280 Millionen Euro pro Jahr.

Die Durchsetzung eines effektiven, lückenlosen Spielerschutzes hat oberste Priorität. Viele der vom IHS vorgeschlagenen Maßnahmen sind in dem von der Regierung angekündigten Glücksspielpaket voraussichtlich enthalten und werden dazu führen, den Spielerschutz und damit auch die gesellschaftlichen und finanziellen Folgen von Spielsucht zu reduzieren.

Das IHS kommt zu dem Schluss, dass die Durchsetzung eines effektiven, lückenlosen Spielerschutzes oberste Priorität hat. Folgende Maßnahmen werden vorgeschlagen:

  • Rechtliche Gleichstellung von (Online) Sportwetten und (Online) Glücksspiel – Sportwetten werden nicht im Glücksspielgesetz (GspG) reguliert, sondern gelten als Geschicklichkeitsspiel
  • Konsequente Umsetzung der konzessionsrechtlichen Vorgaben des Glücksspielgesetzes:
    • Nur Anbieter mit aufrechter Lizenz dürfen Glücksspiel anbieten
    • Black-Listing von Unternehmen, die das Glücksspielgesetz nicht einhalten
    • Unterbindung des Zahlenverkehrs (Payment Blocking) zwischen Kunden und Unternehmen, die auf der Black List stehen
    • Unterbindung des Zugangs von illegalem Online Angebot (IP Blocking)

Viele der vom IHS vorgeschlagenen Maßnahmen sind in dem von der Regierung angekündigten Glücksspielpaket voraussichtlich enthalten (z.B. IP Blocking) und werden dazu führen, den Spielerschutz und damit auch die gesellschaftlichen und finanziellen Folgen von Spielsucht zu reduzieren.

Download: „Finanzielle und wirtschaftliche Auswirkungen von Spielsucht und illegalem Glücksspiel in Österreich“, Hermann Kuschej (Projektleitung), Hanspeter Hanreich, Alexander Schnabl, Institut für Höhere Studien – Institute for Advanced Studies (IHS).


Katharina Hochreiter betreut in der ÖBAG Unternehmen aus dem Glücksspiel- und Luftfahrtsektor. Darunter fallen die Casinos Österreich AG, die Österreichischen Lotterien sowie die Austrian Airlines. Sie verfügt über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung in Wien und London in den Bereichen Restrukturierung, Unternehmensstrategie und M&A, wo sie mehrere Transaktionen begleitet und erfolgreich abgeschlossen hat.

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Katharina Hochreiter

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